Kapitalismus: Schale Kritik der Kirchen

Die Weltwirtschaftskrise gibt den Kirchen ordentlich Auftrieb: Gerade zu Weihnachten scheint fast jeder christliche Würdenträger, der etwas auf sich hält, über den Kapitalismus herzuziehen und “christliche Werte” einzufordern.

Dabei ist das Verhältnis zum Kapitalismus gespaltener, als sie uns glauben machen wollen. Einige von ihnen haben viel Kirchensteuergeld in zweifelhaften Anlagen verloren. Die Kritik der kapitalistischen Denkweise hat sie nicht daran gehindert, ihr “Unternehmen” von McKinsey auf den Kopf stellen zu lassen.

Das christliche Medienmagazin “pro” veröffentlichte einen Artikel, demzufolge Christen wohl die besseren (und sowieso die ethischeren) Geschäftsleute seien. Auch das klingt irgendwie leer, wenn man sich das Schicksal von Adolf Merckle, Gründer von Ratiopharm, ansieht. Nicht nur, dass er mit unethischen Leerverkäufen (Wetten auf fallende Kurse) arbeitete, er verbrannte mit Leerverkäufen von VW-Aktien auch sein gesamtes Kapital. Die tief verankerten christlichen Werte haben ihn von seinem ethisch-finanziellen Fehltritt nicht abgehalten.

Was bleibt also von der Kapitalismuskritik? Nicht viel. Wer selber ordentlich mitgemisch hat, dessen nachgeschobene Kritik wirkt wenig überzeugend. So sachlich richtig sie auch sein mag.

Marx predigt Kreationismus

Laut Reinhard Marx, dem Erzbischof von München, ist es ebenso vernünftig, an einen Schöpfer zu glauben, wie die Evolutionstheorie für richtig zu halten. Dieser Aussage muss eine seltsame Definition von “vernünftig” zugrunde liegen. Aber was will man erwarten — immerhin verdient er sein Geld damit, dergleichen zu behaupten…

Gefunden via Brights - Die Natur des Zweifels.

Nachtrag vom 27.12.: Man muss Marx zugestehen, dass er doch nicht, wie gemeldet, Evolutionstheorie und Schöpferglauben gegeneinander ausspielt. Ihm geht es anscheinend vor allem um die Interpretation der Evolutionstheorie. So kritisiert er die Annahme, unsere Existenz sei Produkt des Zufalls.

Ein Fauxpas ist ihm allerdings unterlaufen: Wenn er bezweifelt, dass die Annahme eines zufällig entstandenen Universums vernünftig ist und später anfügt, genau so vernünftig sei der Glaube an einen Schöpfergott, dann bezweifelt er damit auch die Vernünftigkeit dieses Glaubens.

Betteln: Vorbildlicher Islam?

Wir haben, so schreibt die Süddeutsche, ein Problem mit dem Betteln, weil wir Bettler in der Regel ignorieren und nur unwillig etwas spenden. Der Islam habe das Problem gelöst, in dem er die Spendenpflicht gesellschaftlich verankert und Nicht-Spenden zur Schande gemacht habe. Das sehe ich vollkommen anders.

Die Regelung im Islam mag aus guter Absicht entstanden sein, sie kann aber wohl kaum als positiv gelten. Denn was tut sie anderes, als das Betteln als “Standard” zu fixieren? Sie nimmt der Gesellschaft lediglich die Mühe ab, das Problem grundlegend anzugehen.

Und genau hier liegt doch der Vorteil des westlichen Wohlfahrtsstaates: Es gibt den Anspruch, diesen Leuten wirklich zu helfen, ihnen mehr zu ermöglichen, als eine bloße Weiterführung des Bettelgeschäftes. Deswegen gibt es in Deutschland eine Vielzahl an sozialen Auffangmaßnahmen. Deswegen gibt es Suppenküchen, Hartz 4 und Hilfsdienste.

Man kann darüber diskutieren, ob das vielleicht noch zu wenig ist, es ist aber keinesfalls zu viel. Anstatt das Betteln salonfähig zu machen (und die im Text erwähnten Bettelbanden gibt es tatsächlich), sollte man lieber energisch für unsere sozialen Sicherungssysteme eintreten. Unterkunft in der Nacht und professionelle Zuwendung sind viel wichtiger als ein paar Euro milde Gabe. Obdachlosen muss ermöglicht werden, sich wieder zu integrieren.

Die Möglichkeit, ein Dach über dem Kopf und regelmäßige staatliche Zuwendung zu erhalten, darf nicht unterschätzt und keinesfalls genommen werden.

Die Wahrheit ist doch: Unsere Gesellschaft bietet einfach keine Arbeit für alle. Sie sollte aber zumindest allen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Auch Projekte wie Bodo dürfen nicht unterschätzt werden, sie sind in allen Belangen besser als Betteln.

Vor ca. 2012 bis 2015 Jahren

So ganz genau weiß man ja leider nicht, wann Jesus von Nazareth geboren wurde, aber es wahr wohl irgendwann zwischen dem Jahr 7 und dem Jahr 4 vor Christus. Immerhin können wir mit einiger Sicherheit sagen, dass es einen solchen Menschen gegeben hat.

Alle Jahre wieder geistert auch durch die Presse, das Jesus höchstwahrscheinlich nicht im Winter, sondern eher im Juni geboren wurde.

Auch was Jesus so alles gemacht hat, liegt hinter dem Schleier der Geschichte verborgen. Christen, die sich in dieser Hinsicht auf die Bibel verlassen, finden seltsamer Weise gleich zwei Erzählungen zur Geburt Jesu, die sich schwerlich auf einen Nenner bringen lassen. Und dann gibt es da noch Johannes, der alles irgendwie anders erzählt.

Wie dem auch sei: Wäre ja schade, wenn man sich ob solcher Überlegungen davon abhielte, die Geburtstagsfeierlichkeiten zu genießen. Denn darum geht es doch letzten Endes, oder?

Papst gegen Schwule

Es ist schon traurig zu sehen, wie reformunfähig die Katholische Kirche ist1 und wie rückwärts gerichtet ihr Papst, wie er jetzt wieder in einer Rede unter Beweis stellte. Das Problem, dass er keine wirkliche Begründung für seine homophoben Aussagen hat, löst er auf seine Weise: Er behauptet einfach das Gegenteil. Ihm zufolge ist es “keine überkommene Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau spricht und fordert, dass diese Schöpfung auch respektiert wird.” Gott bestimme, wer Mann und Frau sei, nicht der Mensch. Jede Abkehr von der Heteronormativität gilt ihm als “Selbstzerstörung” und “Zerstörung von Gottes Werk”.

Weiter sagt er, der Mensch solle auf  “die Stimme der Schöpfung” hören. Es tut mir leid, aber ich höre beim besten Willen nicht mehr als die Stimme eines alten, erzkonservativen Mannes, der von Sexualität keine Ahnung haben kann, wenn er seiner Berufung treu ist. Wenn ich mir allerdings angucke, wie einige Tiere, ganz unbeeinflusst durch kirchliche Dogmen, ihr Sexualleben regeln, wundere ich mich erst recht, wovon der Papst eigentlich redet…

  1. Von Finanzreformen einmal abgesehen. []

Die letzten politischen Ausgestossenen

Wenn wir USA sagen, meinen wir nicht selten eine aus unserer Sicht ziemlich rückständige Gesellschaft. Der Grund dafür ist die aus unserer Sicht weit übertriebene Religiosität, die vielerorts in unverhohlenen Fanatismus umschlägt.

Diese Analyse ist zwar richtig, aber sie wird den USA nicht wirklich gerecht. Klar, vor kurzem galt noch so ein seltsamer “Sodomie”-Straftatbestand in einigen Bundesstaaten wie Texas, der so frevlerische Praktiken wie Anal- und Oralsex umfasste. Derlei kann man viel aufzählen und unter anderem auch auf die Ablehnung der UN-Erklärung zu Homosexuellenrechten verweisen.

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Eine UN der Religionen?!

Eine sehr seltsame Idee, die Oberrabbiner Metzger im Gespräch mit dem Spiegel äußerte. “Den Diplomaten ist es nicht gelungen, der Welt Frieden zu bringen. Sie brauchen Hilfe”, so seine Diagnose. Daher solle eine UN der Religionen her. Warum andere Weltanschauungen unterschlagen werden sollen? Na klar:  “Denn ein Muslim respektiert eine Person nicht, wenn sie säkular ist, er wird die Person nur respektieren, wenn sie religiös ist.”

Doch auch der Oberrabbiner hat seine (berufsbedingten?) weißen Flecken: “Ich glaube daran, dass die Bibel die vollständige und wahre Geschichte der Welt darstellt. Wenn Historiker und Archäologen Hinweise finden, freuen wir uns, aber wir brauchen sie nicht.” Evidenz gegen die Schöpfungsgeschichte(n) scheint für ihn nicht zu existieren.

Also denn: Ein paar Leute, die kritiklos glauben, was in ein paar alten Büchern steht, die sich seit Jahrtausenden bis aufs Blut bekämpfen, befrieden die Welt, indem sie sich zu den Vereinten Religionen zusammenschließen. Das würde ich nur allzu gerne erleben…

Politiker ohne Q-rage und aggressive Evangelikale

Während Agnostiker und Atheisten sich noch kaum organisiert haben, blasen Evangelikale  zusammen mit dem rechten Spektrum (Junge Welt, Politically Incorrect) bereits zum Kampf gegen unliebsame Berichterstattung.

In der Schülerzeitschrift Q-rage erschien ein Artikel, der sich kritisch mit der erstarkenden Bewegung der Evangelikalen und insbesondere der Veranstaltung Christival auseinandersetzte. Christival wurde bereits von vielen anderen Medien kritisiert, weil unter anderem ein Seminar zur Homosexuellen-”Heilung” angeboten werden sollte.

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Sokrates: Die neue Aufklärung

Glaukon: Du, Sokrates, das freut mich echt, dass wir uns heute hier treffen. Es ist ja schon eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal unterhalten haben.

Sokrates: Du sagst es. 2400 Jahre sind eine lange Zeit.

Glaukon: Wie beurteilst Du den Weg der Philosophie seitdem?

Sokrates: Ein interessante Frage. Einige meinen ja, dass in den letzten Jahrtausenden nicht so viel passiert ist, aber ich bin da anderer Meinung.

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Gibt es eine Seele?

Für Descartes war das gar keine Frage. Natürlich, so schloss er, gebe es eine Seele. Immerhin erlebte er sich selbst als res cogitans, als ein denkendes Wesen. Diese res cogitans sah er als fundamental verschieden an von der physischen Welt, der res extensa. Sie war für ihn eine eigene Substanz.

Nun verstehen wir heute unter Seele oder Geist — wenn wir diesen Begriff überhaupt gelten lassen — etwas durchaus anderes als Descartes. Der Grund liegt in unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen, die den klassischen Descart’schen Dualismus falsifiziert haben.

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