Betteln: Vorbildlicher Islam?

Wir haben, so schreibt die Süddeutsche, ein Problem mit dem Betteln, weil wir Bettler in der Regel ignorieren und nur unwillig etwas spenden. Der Islam habe das Problem gelöst, in dem er die Spendenpflicht gesellschaftlich verankert und Nicht-Spenden zur Schande gemacht habe. Das sehe ich vollkommen anders.

Die Regelung im Islam mag aus guter Absicht entstanden sein, sie kann aber wohl kaum als positiv gelten. Denn was tut sie anderes, als das Betteln als “Standard” zu fixieren? Sie nimmt der Gesellschaft lediglich die Mühe ab, das Problem grundlegend anzugehen.

Und genau hier liegt doch der Vorteil des westlichen Wohlfahrtsstaates: Es gibt den Anspruch, diesen Leuten wirklich zu helfen, ihnen mehr zu ermöglichen, als eine bloße Weiterführung des Bettelgeschäftes. Deswegen gibt es in Deutschland eine Vielzahl an sozialen Auffangmaßnahmen. Deswegen gibt es Suppenküchen, Hartz 4 und Hilfsdienste.

Man kann darüber diskutieren, ob das vielleicht noch zu wenig ist, es ist aber keinesfalls zu viel. Anstatt das Betteln salonfähig zu machen (und die im Text erwähnten Bettelbanden gibt es tatsächlich), sollte man lieber energisch für unsere sozialen Sicherungssysteme eintreten. Unterkunft in der Nacht und professionelle Zuwendung sind viel wichtiger als ein paar Euro milde Gabe. Obdachlosen muss ermöglicht werden, sich wieder zu integrieren.

Die Möglichkeit, ein Dach über dem Kopf und regelmäßige staatliche Zuwendung zu erhalten, darf nicht unterschätzt und keinesfalls genommen werden.

Die Wahrheit ist doch: Unsere Gesellschaft bietet einfach keine Arbeit für alle. Sie sollte aber zumindest allen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Auch Projekte wie Bodo dürfen nicht unterschätzt werden, sie sind in allen Belangen besser als Betteln.

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