Kritik am Papst: Was die katholische Kirche wirklich ist

Ein Zeit-Autor ärgert sich darüber, dass Merkel den Papst kritisiert hat, obwohl doch Trennung von Kirche und Staat besteht.

Es ist, denke ich, an der Zeit, die Art der Trennung zu hinterfragen. Der deutsche Staat hat sich und seine Bürger ohne große Not entrechtet. Mit der weiter fortschreitenden Marginalisierung des Katholizismus gehören diese Anachronismen langsam auf den Prüfstand.

Blicken wir zuerst einmal auf den Papst: Die Vorstellungen, die über ihn kursieren, sind hanebüchen.1

Dieser alte, verkalkte Herr ist eigentlich ein Monarch. Als solcher regiert er einen kleinen Zwergstaat mitten in Rom. Das wäre an und für sich eher uninteressant — allerdings ist er nur Monarch dieses Staates, weil er gleichzeitig der Big Boss eines ziemlich erfolgreichen weltweiten Businesses ist. In nahezu jedem Land hat diese Firma Dependances. Der Konzern ist zwar hauptsächlich in der Unterhaltungsbranche tätig, im Grunde handelt es sich aber um einen Mischkonzern, der eine ganze Reihe von mehr oder weniger nützlichen Dienstleistungen anbietet.

Das besondere an dem Geschäftsmodell dieses Unternehmens ist, dass es sich vom Tagesgeschäft unabhängig gemacht hat. Wir reden heute viel von Kulturflatrates, die vielleicht einmal kommen — im Grunde gibt es sie doch schon. Jeder Bürger, sei er Moslem oder Atheist, finanziert dieses Unternehmen mit. Wer sich offiziell als “Fan” registrieren lässt (oder bereits von Geburt an registriert war), zahlt im Rahmen einer Zusatzsteuer etwas mehr.

Im Gegenzug gibt es eines der ältesten Show-Programme der Welt: Man setzt sich auf eine harte Holzbank, lässt den Mann vorne reden und am Ende gibt es eine pappige Scheibe zu essen. Nebenher wird noch eine Droge verbrannt, die im Kollektiv inhaliert wird. Das wäre weiter nicht interessant, hätte die Firma es nicht geschafft, aus dem ganzen einen “Kult” zu machen, vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem um Apple. Die Show wird dadurch cool, dass sie “heilig” ist, und das pappige Zeug ist angeblich das Fleisch ihres Gottes. Etwas morbide, aber das ist Teil der Show.

Bedenklich ist an dem Konzern vor allem, dass er seinen Geschäftsinteressen alles andere unterordnet. Zur Not schließt die Firma eben auch Verträge mit Diktatoren wie Hitler — und fordert nachher die Einhaltung des Vertragsstücks. Der Sinn der Kulturflatrate ist in Anbetracht der immer geringeren Nachfrage ebenfalls zweifelhaft. Darüber hinaus hat der Konzern gerne Sonderregeln für alle möglichen Angelegenheiten.2 Die hochfliegenden Ambitionen des Managements haben die Einmischung in die Belange anderer Staaten zur Regel werden lassen.3 Gleichzeitig verbittet sich das Unternehmen jede Kritik an seinem Geschäftsgebaren und schafft es immer wieder, seine Kunden zu Lobbyisten zu machen.

Natürlich, es gibt noch andere Unternehmen in diesem Marktsegment, die vergleichbare Businessmodelle haben, aber die katholische Kirche ist eindeutig der größte Fisch. Und der stinkt zur Zeit noch stärker vom Kopf als sonst. Vielleicht sollte man diesem Konzern endlich mal seine Grenzen aufzeigen.

  1. Das Folgende mag deswegen ungewohnt klingen, weil es sich einer anderen Sprache bedient, als sie gewöhnlich in diesem Zusammenhang verwendet wird. Ein bisschen mehr von dieser Sichtweise könnte allerdings in der allgemeinen Debatte nicht schaden. []
  2. Weil man diesem Konzern gegenüber hierzulande so entgegenkommend ist, gelten dort die normalen Arbeitnehmerschutzgesetze nicht. []
  3. Vom Gang nach Canossa bis zur Kritik an Barack Obama. []

2 Kommentare

  1. Toni sagt:

    Und als Schaumkrone des ganzen beansprucht dieser verfurzte, esoterische Verein die Deutungshoheit über Ethik und Moral und bekommt sie Form der Mitgliedschaft in diversen Ethikkommissionen auch noch zugesprochen. Der Oberfurzer des Vereins hält sich zudem in diesen Dingen auch noch für unfehlbar.

    Einzige Legitimierung dieses Vereins ist eine wild interpretierte einzelne Zeile aus einer archaischen Sammlung steinalter Texte aus einer kleinen Wüstenregion.

  2. [...] Mehrheiten in Politik und Journaille in die Opposition zu ihm zwingt, kurz: wie hier der Chef eines Konzerns sich und damit sein komplettes Unternehmen öffentlich zum Horst macht, dass ein Hartmut Mehdorn [...]

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